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KI im Grafikdesign: Warum gute Gestaltung mehr braucht als gute Prompts
KI im Grafikdesign: Warum gute Gestaltung mehr braucht als gute Prompts

Blogbeitrag von Jule Friedrich, Creative Digital Specialist bei TE Communications

KI macht Ideen im Grafikdesign heute sehr schnell sichtbar. Sie kann Bilder erzeugen und bearbeiten, erste Logoideen entwickeln und Entwürfe für Präsentationen, Landingpages, interaktive Prototypen oder Kampagnenmaterialien liefern. Einige aktuelle Werkzeuge können dabei mit Markenfarben, Typografie, Designsystemen und Referenzmaterial arbeiten. Rückmeldungen können direkt in neue Varianten einfließen, die sich anschließend weiterbearbeiten lassen. Das verkürzt einzelne Arbeitsschritte und erleichtert es, verschiedene Richtungen früh zu vergleichen.

Professionelle Gestaltung entsteht dadurch jedoch nicht automatisch. Dafür muss klar sein, welches Ziel ein Auftrag verfolgt, wen er erreichen soll und welche Vorgaben gelten. KI kann auf dieser Grundlage plausible Vorschläge entwickeln. Ob ein Entwurf im konkreten Fall wirklich zur Marke, zur Zielgruppe und zum Kommunikationsziel passt, beurteilen weiterhin Designer:innen und Kommunikationsprofis.

Schneller Output ist noch kein gutes Design

Aus meiner Arbeit an digitalen Kommunikationsformaten kenne ich Entwürfe, die auf den ersten Blick überzeugen und beim zweiten Hinsehen nicht tragen. Dann passt etwa die Typografie nicht zum Inhalt, die visuelle Hierarchie bleibt unklar oder kleine Details stören das Gesamtbild. Auch Tonalität, Markenpassung und Zielgruppenbezug hängen davon ab, welche Informationen und Referenzen ein System erhält.

Leistungsfähige KI-Tools können Varianten vergleichen, Feedback aufnehmen und Vorschläge begründen. Trotzdem sind die Ergebnisse nicht immer fehlerfrei oder passend. Der erste Entwurf ist für mich deshalb selten schon das Ergebnis. Ich schaue genauer hin, ob er die richtige Botschaft trägt, zur Marke passt und im jeweiligen Zusammenhang funktioniert. Erst dann zeigt sich, welche Richtung weiterführt und was noch verändert werden muss.

Wer solche Werkzeuge nutzt, sollte auch die Herkunft und Nutzung von Trainingsdaten, Urheber- und Nutzungsrechte sowie den Energiebedarf der Systeme im Blick behalten.

Wie KI den Arbeitsprozess im Grafikdesign verändert

Mit KI lassen sich erste Entwürfe und unterschiedliche Richtungen schneller ausprobieren. Das spart bei manchen Arbeitsschritten Zeit und schafft Raum, mehr Ideen zu testen. Handwerkliches Können, gestalterische Erfahrung und technisches Verständnis bleiben trotzdem wichtig. Wer Typografie, Komposition, Markenführung oder visuelle Hierarchien nicht sicher beurteilen kann, erkennt selbst bei einem überzeugend wirkenden Entwurf nur schwer, was noch fehlt.

Grafikdesign ist in meiner Arbeit als Creative Digital Specialist ein Teil eines breiteren digitalen Aufgabengebiets. In digitalen Kommunikationsprojekten legen Designer:innen und Kommunikationsprofis zunächst fest, was ein Entwurf leisten soll und welche Referenzen hilfreich sind. Dann wählen sie aus den Varianten aus, verwerfen schwächere Ansätze und arbeiten die passende Richtung weiter aus. Sie steuern den Prozess und entscheiden früh, welche Richtung trägt. Das gestalterische Handwerk bleibt dabei die Grundlage.

Gute Gestaltung beginnt mit den richtigen Fragen

Bei digitalen Kommunikationsprojekten beginnt die gestalterische Arbeit für mich oft nicht mit einem Entwurf, sondern mit Rückfragen. Briefings sind selten vollständig oder eindeutig. Manchmal steht am Anfang nur: „Mach mal hübsch.“ Dahinter können sehr verschiedene Erwartungen liegen: seriös, zugänglich, modern, zurückhaltend oder bewusst auffällig.

Einige aktuelle KI-Systeme können offene Briefings strukturieren, fehlende Angaben abfragen und aus den vorhandenen Informationen plausible Varianten entwickeln. Was weder im Briefing noch in den Unterlagen oder im Austausch vorkommt, können sie jedoch nicht verlässlich kennen oder einordnen. Oft zeigt sich erst im Gespräch, was unausgesprochen geblieben ist oder welche Ziele miteinander kollidieren. Wer Erfahrung mit solchen Situationen hat, hört genauer hin und stellt die Fragen, die den Auftrag klarer machen.

Im Gespräch klären Designer:innen und Kommunikationsprofis, welche Botschaft im Mittelpunkt steht und was Vorrang hat, wenn Vorgaben nicht zusammenpassen. So entsteht eine Richtung, an der sich der Entwurf orientieren kann.

Markenpassung und Glaubwürdigkeit brauchen einen klaren Maßstab

Viele schnell erzeugte Varianten sind nur dann hilfreich, wenn klar ist, wonach ausgewählt wird. Ein Entwurf sollte glaubwürdig wirken, zur Marke passen und sein Kommunikationsziel erfüllen. Ob KI daran beteiligt war, sagt für sich genommen wenig über seine Qualität aus.

Glaubwürdig wird das Ergebnis, wenn Aussage, Ton und Bildsprache zusammengehören. Auch eine visuell starke Lösung kann am Ziel vorbeigehen, wenn sie die Botschaft nicht trägt oder die angesprochenen Menschen nicht erreicht. Möglichst viele Varianten zu produzieren, reicht deshalb nicht. Man muss auswählen, nacharbeiten und den Entwurf so lange schärfen, bis er seine Aufgabe erfüllt.

KI unterstützt, die Verantwortung bleibt beim Menschen

KI kann Ideen schneller sichtbar machen, Alternativen entwickeln und Teams bei der Ausarbeitung unterstützen. Was sie bringt, hängt davon ab, wie sie eingesetzt wird.

Designer:innen und Kommunikationsprofis beurteilen weiterhin, ob eine Richtung trägt, zur Marke passt und die richtige Botschaft vermittelt. Sie korrigieren Schwächen und arbeiten die überzeugendste Variante weiter aus. Die einfache Gegenüberstellung von Mensch und Maschine hilft dabei kaum noch.

Für mich verändert KI vor allem, wie digitale Inhalte und Gestaltung entstehen. Sie kann viel vorbereiten und beschleunigen, nimmt uns aber nicht die Verantwortung für das Ergebnis ab. Wir müssen weiterhin prüfen, nachbessern und dafür sorgen, dass ein Entwurf seinen Zweck erfüllt.

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